Diese Anlage wird von uns schon viele Jahre gepflegt.

 Wer war die Schwester Elisabeth?

Hier ein Bericht von Bernd Bickelhaupt:

Wenn man das Mühlfeld entlanggeht und Ober-Beerbach in Richtung Nieder-Beerbach verläßt, am Ende des geteerten Weges nach rechts geht, kommt man an eine kleine, gepflegte Bank-Anlage. “Elisabethen-Ruhe” steht auf einem Gedenkstein, und der Dank an eine Schwester Elisabeth.
Wer war Schwester Elisabeth? Eine Spurensuche...
Schwester Elisabeth war seit 1906 die Gemeinde-Schwester für Ober-Beerbach. Damals war Ober-Beerbach ein Bauerndorf, ohne Arzt. Wer zum Arzt mußte, tat dies auf drei Arten: 1. zu Fuß, 2. zu Pferd, 3. per Fahrrad. Mußte ein Arzt gerufen werden, so mußte ein Bote geschickt werden, denn bis in die 20ger Jahre des 20. Jahrhunderts gab es in unserem Dorf weder Strom noch Telefon. Prinzessin Victoria Ludwig von Battenberg, die Herrschaft von Jugenheim erkannte dieses Problem, und finanzierte eine Krankenschwester-Stelle für Ober-Beerbach. Nachdem die von Battenberg im 1. Weltkrieg nach England gezogen waren, mußte die Gemeinde Ober-Beerbach die Finanzierung übernehmen. Nicht einfach, für ein Bauerndorf.
Schwester Elisabeth wurde geboren am 28. Juli 1873 in Pfungstadt. Ihre Ausbildung erhielt sie bei den Marienschwestern in Darmstadt-Eberstadt, von wo man sie am 21. Februar 1906 nach Ober-Beerbach schickte. Sie versorgte so ziemlich alles, von Infektionskrankheiten bis hin zu Pferdebissen. Zwei mal am Tag, Morgens und Nachmittags machte sie die Runde durch das Dorf und sah nach ihren Patienten. Nach Dienstende ging sie oft Spazieren, und setzte sich besonders gerne an die Stelle, die heute die “Elisabethen-Ruhe” ist. Schwester Elisabeth muß ein besonderer Mensch gewesen sein, der seine Arbeit nicht nur nach Vorschrift, sondern auch mit viel Liebe machte. 1956, zu ihrem 50. Jahrestag als Gemeindeschwester brachte ihr die Frauenhilfe abends ein Ständchen mit etlichen Liedern, und zum Schluß schenkte man ihr ein neues Radiogerät. Schwester Elisabeth verlebte ihren Ruhestand auch in Ober-Beerbach, bis auf die allerletzten Jahre, die sie im Altenheim Seeheim verbrachte, wo sie am 23. November 1966 im Alter von 93 Jahren starb.
Kurz danach entschlossen sich der Verschönerungsverein und der Gemeindevorstand von Ober-Beerbach, an dem Platz, den Schwester Elisabeth besonders mochte ein kleines Denkmal und eine kleine Grünanlage mit Bank einzurichten. Diese Anlage wurde lange von Hanna Beutel gepflegt, seit 25 Jahren tut dies Georg Maul. Ein kleines, besonderes Denkmal für einen besonderen Menschen, der - aus seiner Sicht wahrscheinlich - nichts besonderes machte, und doch ist es etwas besonderes: Kranke Menschen nicht nur zu pflegen, sondern auch zu lieben.
Danken will ich an dieser Stelle Ludwig Mertz, Georg Maul, und Pfarrerin Giesecke, die mich mit den nötigen Mosaik-Steinchen versorgten.